Eva M. Mathes

Stipendium 2021Projekt archium

Gefördert durch ein Künstlerstipendium im Rahmen der NRW-Corona-Hilfen

Die Datenträger 2021.05, 2021, Materialmix

Vom Analogen zum Digitalen und wieder zurück. Das Archiv (lateinisch Archium) ist im übertragenen Sinne das kulturelle Gedächtnis der Menschheit. In der Kulturwissenschaft wird Archiv auch als Oberbegriff für die lnformatios- und Wissensspeicher wie z.B. Gedächtnisorganisationen (Bibliotheken) gebraucht. Da Archive das Informationsmaterial dauerhaft oder zumindest für längere Zeit sichern sollen, stellt sich das Problem der Bestandserhaltung, da die Haltbarkeit der derzeit üblichen Datenträger sehr begrenzt ist. Auch unser unkontrolliertes Konsumverhalten trägt dazu bei eine Myriade von fossilen Daten bzw. Fossilien zu produzieren. Besondere Probleme wirft die Langzeitarchivierung von Papierdokumenten und den digitalen Informationen auf. Seit dem endenden 16.Jahrhundert bestimmte das auf Papier gedruckte Wort die Archivierung menschlichen Wissens. Papyrus und Pergament stellten die Schriftunterlage in Antike und Mittelalter dar. Noch früher malten die Menschen Bilder auf Stein, ritzten Zeichen in Felsen oder drückten Keilzeichen in weichen Ton. Mit der Veränderung des Mediums ging auch die überlieferte lnformationsmenge "das Archiv der Menschenkultur" in einen anderen Aggratzustand über. Die Wissenschaft sucht daher ständig nach neuen Möglichkeiten unser geistiges und kulturelles Erbe für die Nachwelt zu bewahren. So arbeiten Forscher an einem Speicher aus Glas, der Daten für viele Millionen Jahre sichern soll - selbst wenn er Chemikalien, Hitze oder Schlägen ausgesetzt wird. Auch kühl gelagerte künstlich hergestellte DNA kann als Bio-Speicher Jahrtausende überdauern. Nun ist aber das naturwissenschaftlich-technische Wissen so umfangreich und kompliziert, dass eine fehlerfreie Archivierung bzw. Überlieferung nicht mehr möglich ist. In meinen Arbeiten zeige ich die verkürzte Lebensspanne technologischer Errungenschaften durch selbst hergestellte Formen, welche als altertümliche "Fossilien" stilisiert werden. Eine symbolische Archivierung, mit Aufnahme in eine fiktive Datenbank, ist eine Einladung an den Besucher/Betrachter sich kritisch mit dem Thema zu befassen.

Das Projekt Archium ist in Arbeit